Produkt des Monats
Claude A.I. — ein großartiger digitaler Assistent
Wer heute von künstlicher Intelligenz spricht, meint meist Sprachmodelle — Programme, die Texte verstehen und formulieren. Unter ihnen hat sich Claude, entwickelt vom amerikanischen Unternehmen Anthropic, einen Ruf als besonders sorgfältiger Arbeitspartner erworben. Wir haben ihn einen Monat lang im Alltag erprobt.
Der erste Eindruck: Dieser Assistent drängt sich nicht auf. Wo andere Systeme mit forscher Selbstsicherheit antworten, räumt Claude Unsicherheiten ein, fragt nach, wenn eine Aufgabe mehrdeutig ist, und widerspricht auch einmal höflich, wenn die gestellte Frage auf einem Denkfehler beruht. Für Menschen, die einen Sparringspartner suchen und keinen Jasager, ist das der eigentliche Gewinn.
Stärken zeigt das Programm dort, wo Sprache und Struktur zusammenkommen. Es fasst lange Dokumente zusammen, ohne die Nuancen zu verlieren, formuliert Korrespondenz in gewünschtem Ton, übersetzt zwischen Sprachen mit erstaunlichem Gespür für Register und Zwischentöne, und es hilft beim Ordnen von Gedanken — sei es die Gliederung eines Vortrags oder die Frage, welche Argumente in einer Verhandlung tragen. Auch beim Programmieren ist es zu Hause; wer eine Tabellenkalkulation bändigen oder eine Website betreuen muss, findet einen geduldigen Helfer.
Bemerkenswert ist die Ausdauer im Detail. Wer ihm eine vielschichtige Aufgabe gibt — etwa den Umbau eines Textes nach zwölf Einzelvorgaben — erlebt, dass die zwölfte Vorgabe ebenso ernst genommen wird wie die erste. Diese Verlässlichkeit im Kleinen macht den Unterschied zwischen einer Spielerei und einem Werkzeug.
Grenzen gibt es freilich. Der Assistent kann irren, und er tut es mitunter mit derselben ruhigen Sicherheit, mit der er richtig liegt — Zahlen, Namen und Daten gehören geprüft. Er kennt die Welt nur bis zu einem Stichtag und muss für Aktuelles nachschlagen. Und er ersetzt kein Fachurteil: Ein Rechtsrat bleibt Sache des Anwalts, eine Diagnose Sache des Arztes.
Wer den größten Nutzen ziehen will, formuliert Aufträge so, wie man sie einem neuen Mitarbeiter gibt: mit Kontext, mit Beispielen, mit klarer Angabe des gewünschten Ergebnisses. Dann bekommt man selten Allgemeinplätze und häufig etwas, das man tatsächlich verwenden kann.
Im Praxistest überzeugte vor allem die Arbeit an längeren Vorhaben. Ein Geschäftsbrief, der über mehrere Runden geschärft wird, verliert bei diesem Assistenten nicht seinen Faden; er erinnert sich an früher Gesagtes und baut darauf auf, statt bei jeder Anfrage von vorn zu beginnen. Wer gewohnt ist, mit Entwürfen zu arbeiten, wird das zu schätzen wissen.
Zur Ausstattung: Neben dem Gesprächsfenster im Browser gibt es Anwendungen für Rechner und Mobilgeräte, dazu Erweiterungen für Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Dokumente, Bilder und Tabellen lassen sich zur Analyse übergeben. Für den privaten Gebrauch genügt der kostenlose Zugang; wer täglich damit arbeitet, greift zum Abonnement.
Unser Urteil: Ein Assistent für Menschen, die schreiben, ordnen und entscheiden müssen. Kein Orakel, aber ein kluger, unaufgeregter Mitarbeiter — und in dieser Rolle derzeit einer der besten am Markt.
Was sich an den Finanz-Märkten tut
Sommerflaute wie jedes Jahr
Der Juli verläuft an den europäischen Märkten so, wie es der Sommer seit jeher tut: Die Umsätze dünnen aus, die Bewegungen werden kleiner, und was an Nachrichten kommt, wirkt stärker als sonst — schlicht weil weniger Gegengewicht im Markt ist. Erfahrene Anleger nennen das Sommerflaute; sie ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Abwesenheit.
Bei den Zinsen hat sich das Bild gegenüber dem Vorjahr spürbar gedreht. Wer Geld anlegt, bekommt endlich wieder etwas dafür: Taggeld liegt heute zwischen 2,5 und 3,4 Prozent, Festgeld auf zwölf Monate zwischen 2,1 und 3,1 Prozent — vor einem Jahr waren es Bruchteile davon. Wer hingegen leiht, zahlt drauf: Der Hausbaukredit auf zehn Jahre kostet nun 3,3 bis 3,8 Prozent statt der früheren zwei bis drei. Nur beim Kontoüberziehungszins bleibt alles beim Alten — er war schon immer teuer und ist es geblieben.
An den Börsen war das vergangene Jahr freundlich. Der ATX legte von 4.448 auf 6.084 Euro zu, der S&P 500 von 6.000 auf 7.383 Dollar, und Gold setzte seinen Lauf von 2.929 auf 3.758 Euro je Unze fort. Wer investiert war, hat gewonnen; wer zugesehen hat, ärgert sich.
Für die kommenden Wochen gilt die alte Regel: Im dünnen Sommermarkt keine großen Weichen stellen. Wer umschichten will, wartet den September ab — dann kehren die Umsätze zurück, und Kurse bilden sich wieder auf breiterer Grundlage.
| Sie wollen in der EU leihen | vor 12 Monaten | aktuell |
|---|---|---|
| Kontoüberziehungszins | 8 % – 15 % | unverändert |
| Hausbaukredit, 10 Jahre | 2 – 3 % | 3,3 – 3,8 % |
| Sie wollen in der EU anlegen | vor 12 Monaten | aktuell |
|---|---|---|
| Taggeld | ~ 2,25 % | 2,5 – 3,4 % |
| Festgeld, 12 Monate | ~ 0,5 – 1 % | 2,1 – 3,1 % |
| Sie sind Investor | vor 12 Monaten | aktuell |
|---|---|---|
| ATX | 4.448 € | 6.084 € |
| S&P 500 | 6.000 $ | 7.383 $ |
| Gold, 1 Unze | 2.929 € | 3.758 € |
Kulinarik
Leichtes Fischgericht für heiße Tage
Wenn die Hitze auf dem Land liegt, verliert schweres Essen jeden Reiz. Was jetzt taugt, ist ein Fisch, der kurz gegart wird und dem man ansieht, dass er aus dem Wasser kommt und nicht aus der Pfanne gerettet werden musste.
Gebeizter Saibling mit Gurke und Dill — für vier Personen. Man braucht zwei Saiblingsfilets ohne Haut, drei Esslöffel grobes Meersalz, zwei Esslöffel Zucker, die Schale einer unbehandelten Zitrone, einen Bund Dill, eine Salatgurke, einen Becher Crème fraîche, Pfeffer und etwas Olivenöl.
Salz, Zucker und Zitronenschale mischen, die Filets damit rundum einreiben, den gehackten Dill darauf verteilen. In Frischhaltefolie wickeln, auf einen Teller legen, beschweren und für acht bis zwölf Stunden in den Kühlschrank. Danach abwaschen, trockentupfen, in dünne Scheiben schneiden.
Die Gurke der Länge nach halbieren, entkernen und in feine Streifen hobeln, leicht salzen und zehn Minuten ziehen lassen — das nimmt ihr das Wässrige. Crème fraîche mit etwas Zitronensaft, Pfeffer und dem restlichen Dill verrühren.
Angerichtet wird flach: ein Löffel Creme auf den Teller streichen, Gurkenstreifen darauf, die Fischscheiben locker darüberlegen, ein Faden Olivenöl, eine Mühle Pfeffer. Dazu passt dunkles Brot und ein gekühlter Grüner Veltliner.
Der Vorteil dieses Gerichts liegt im Zeitpunkt: Die Arbeit fällt am Vorabend an, am heißen Tag selbst bleibt die Küche kalt.
Humor
Überraschungen im Urlaub
Der Urlaub ist die einzige Zeit des Jahres, in der wir freiwillig Dinge tun, die wir zu Hause als Zumutung empfänden: in fremden Betten schlafen, um sechs Uhr früh aufstehen, um einen Sonnenschirm zu erobern, und für ein Frühstück anstehen, das wir daheim in vier Minuten selbst zubereitet hätten.
Es beginnt beim Kofferpacken. Jeder Mensch packt für zwei Personen: für die, die er ist, und für die, die er im Urlaub zu sein gedenkt. Deshalb reisen Wanderschuhe mit, die keinen Berg sehen werden, drei Bücher, von denen eines zur Hälfte gelesen wird, und ein Abendkleid für den Anlass, der nicht eintritt.
Am Zielort folgt die erste Enttarnung: das Zimmer mit „seitlichem Meerblick“. Seitlicher Meerblick bedeutet, dass man das Meer sehen kann, wenn man sich auf den Balkon stellt, den Kopf um neunzig Grad dreht und bereit ist, an einer Brüstung zu turnen. Die Fotografie im Prospekt wurde offenbar von einer Drohne aufgenommen, die man uns nicht mitvermietet hat.
Dann die Kulinarik. Wer im Ausland „typisch einheimisch“ essen will, findet zuverlässig ein Lokal, in dem ausschließlich Landsleute sitzen und Wiener Schnitzel bestellen. Die Einheimischen wiederum essen zwei Straßen weiter, dort, wo keine Speisekarte in vier Sprachen aushängt. Es ist ein stilles Einvernehmen: Wir tun so, als hätten wir das Land entdeckt, und das Land tut so, als hätte es uns erwartet.
Zu den zuverlässigsten Überraschungen gehört das Wetter. Man reist eintausendzweihundert Kilometer nach Süden, um der Regenfront zu entkommen, und die Regenfront, gerührt von so viel Anhänglichkeit, reist mit. Zu Hause hingegen herrscht in derselben Woche Hochsommer, wie uns die Nachbarn per Bildnachricht mitteilen — eine Aufmerksamkeit, auf die man hätte verzichten können.
Eine eigene Wissenschaft ist der Umgang mit Andenken. Im Urlaub erscheint die handbemalte Keramikschale als Zeugnis regionaler Handwerkskunst und unverzichtbarer Bestandteil des künftigen Hausstands. Zu Hause ausgepackt, verwandelt sie sich binnen Sekunden in einen Gegenstand, für den es keinen Platz gibt und dessen Farben man nun als „gewöhnungsbedürftig“ bezeichnet. Sie wandert in den Schrank, aus dem sie erst beim nächsten Umzug wieder auftaucht, um dort dieselbe Debatte auszulösen.
Nicht zu vergessen die Mitreisenden. Man fährt mit Menschen weg, die man zu kennen glaubt, und lernt sie an einem einzigen Tag am Buffet gründlicher kennen als in zehn Jahren Nachbarschaft. Wer morgens Anspruch auf drei Liegen erhebt, obwohl er zu zweit angereist ist, offenbart einen Charakter, den keine Weihnachtsfeier je zutage gefördert hätte.
Und schließlich die Rückkehr. Man kommt braun, müde und um mehrere Erkenntnisse reicher nach Hause, stellt den Koffer ab und spürt jene eigentümliche Zufriedenheit, die sich nur einstellt, wenn man das eigene Bett wiedersieht. Spätestens am dritten Tag danach beginnt man, im Netz nach Angeboten für das kommende Jahr zu suchen. Der Mensch ist ein lernfähiges Wesen — nur nicht in dieser Angelegenheit.


